Unterkunftsbarometer 2026: Deutsche Beherbergungsbetriebe zwischen strukturellen Herausforderungen und digitalem Rückenwind
- Deutsche Hoteliers bleiben deutlich pessimistischer als ihre europäischen Kollegen: Nur 45 % blicken optimistisch auf die nächsten sechs Monate (EU: 66 %).
- Kleine und unabhängige Betriebe geraten europaweit stärker unter Druck als Hotelketten, besonders bei Auslastung (56 % vs. 46 % mit Zuwächsen) und Zimmerpreisen (47 % vs. 37 % mit Steigerungen).
- Cybersicherheit bleibt ein Schwachpunkt: Nur 55 % der deutschen Unterkünfte halten ihre Schutzmaßnahmen für ausreichend (EU: 66 %).
- Digitale Kanäle, Rabatte und Eventtourismus sind wichtige Hebel, um Nachfrage außerhalb der Hauptsaison zu stärken: 75 % der deutschen Hoteliers sehen Online-Plattformen als wirksamen Kanal, 64 % profitierten zuletzt von eventgetriebenem Reiseaufkommen.
Booking.com hat die sechste Ausgabe des jährlichen Europäischen Unterkunftsbarometers veröffentlicht. Der Bericht beleuchtet die Erwartungen, Chancen und Herausforderungen, die für Unterkunftsanbieter in ganz Europa aktuell im Fokus stehen. Basierend auf Erkenntnissen von 1.240 Führungskräften und Managern aus 24 europäischen Märkten, zeigt die diesjährige Ausgabe eine Branche, die trotz zahlreicher Herausforderungen in den vergangenen Jahren durch Resilienz und Stabilität geprägt ist. Gleichzeitig verdeutlicht der Bericht auf europäischer Ebene auch zentrale Handlungsfelder – insbesondere im Hinblick auf wachsende Unterschiede zwischen großen und kleinen Betrieben.
Deutsche Hoteliers mit zurückhaltender wirtschaftlicher Einschätzung
Nach einem deutlichen Einbruch 2025 zeigt sich eine leichte Erholung: Sowohl bei der Bewertung der vergangenen Entwicklung als auch beim Blick auf die kommenden Monate sind die Zuversichtswerte wieder gestiegen. Dennoch bleibt die Stimmung verhalten – weniger als die Hälfte der deutschen Betriebe blickt optimistisch voraus (45 %, EU: 66 %), und nur 41 % bewerten die vergangene Entwicklung positiv (EU: 60 %). Besonders auffällig: Etwa jeder fünfte deutsche Betrieb rechnet mit einer Verschlechterung in den kommenden sechs Monaten – das ist viermal so viel wie im EU-Durchschnitt. Deutsche Beherbergungsbetriebe melden zudem bei den wichtigsten Leistungskennzahlen die größte Abweichung vom EU-Durchschnitt. Nur jeder Fünfte (20 %) verzeichnete in den letzten sechs Monaten einen Anstieg der Tagessätze (EU: 40 %), und nur 16 % meldeten eine höhere Auslastung (EU: 50 %). Damit verzeichneten sie den schwächsten Zuwachs bei den Belegungsraten aller untersuchten Länder.
Während europaweit die kollektive Wahrnehmung insgesamt Optimismus versprüht, verdeutlichen die Ergebnisse des Barometers auch den wachsenden Druck auf kleine und unabhängige Unterkünfte, mit größeren Betrieben Schritt zu halten. 72 % der europäischen Kettenhotels bewerten die eigene aktuelle wirtschaftliche Lage positiv, im Vergleich zu 55 % der unabhängigen Betriebe in Europa. Ähnliche Muster zeigen sich bei anderen wichtigen Kennzahlen, wie Zimmerpreisen – 47 % der Ketten beobachteten Steigerungen in den sechs Monaten vor der Umfrage gegenüber 37 % der unabhängigen Betriebe – und Entwicklungen bei der Belegungsrate – 56 % der Ketten beobachteten Steigerungen gegenüber 46 % der unabhängigen Betriebe.
Weitere Unterschiede zeigen sich auch bei zentralen Herausforderungen der Branche, insbesondere im Bereich Cybersicherheit und dem Umgang mit saisonalen Schwankungen und der Sorge vor dem Einfluss externer Ereignisse und Störungen.
Cybersicherheit: Schutzlücken vor allem bei kleineren Betrieben
Etwas mehr als die Hälfte (55 %) der deutschen Unterkünfte halten ihre Cybersicherheitsvorkehrungen für ausreichend und liegen damit 11 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt (66 %). Grundlegende Maßnahmen, auf die Unterkünfte setzen, sind unter anderem regelmäßige Software-Updates und Sicherheitspatches (91 %, EU: 86 %), Sicherheitslösungen bei Netzwerken (90 %, EU: 85 %) und Systeme für sichere Zahlungsabwicklungen (75 %, EU: 80 %).
Auf europäischer Ebene zeigt sich bei genauerer Betrachtung eine deutliche Lücke zwischen großen und kleinen Betrieben: Während europaweit nahezu alle Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden (94 %) ihre Vorkehrungen im Bereich Cybersicherheit als ausreichend einschätzen, trifft dies nur auf 60 % der Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten zu. Zwar sind grundlegende Schutzmaßnahmen weit verbreitet, doch setzen kleinere Betreiber seltener weitergehende oder kontinuierliche Maßnahmen um: Weniger als die Hälfte (49 %) bietet Personalschulungen an, im Vergleich zu 89 % der größeren Arbeitgeber. Ähnliche Lücken zeigen sich bei regelmäßigen IT-Sicherheitsprüfungen (60 % gegenüber 89 %) und der Zusammenarbeit mit spezialisierten Drittanbietern (62 % gegenüber 95 %).
Mit Blick auf die Hauptsaison zählen Cybersicherheitsvorfälle für 21 % der europäischen Unternehmen mit weniger als neun Mitarbeitenden zu den größten Sorgen – gegenüber lediglich 9 % der Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden. Zahlungsbetrug fürchten indes 25 % der kleinen, aber nur 16 % der großen Betriebe.
Nur 5 % der kleineren Unterkünfte geben an, dass sie im vergangenen Jahr von einem Cybersicherheits- oder Datenschutzvorfall betroffen waren, im Vergleich zu 28 % bei den größten Betrieben. Dies spiegelt sowohl ein potenziell höheres Risiko als auch eine bessere Fähigkeit wider, Vorfälle zu erkennen und offiziell zu dokumentieren. Da Cyberangriffstechniken immer raffinierter werden und zunehmend legitime Zugangsdaten sowie Systeme ausgenutzt werden, erfordert die Aufrechterhaltung der eigenen digitalen Resilienz kontinuierliche Investitionen in Systeme und Fachkompetenzen. Das ist insbesondere für kleinere Betriebe wichtig, die ohnehin bereits weniger Ressourcen zur Verfügung haben.
Umgang mit Störungen und saisonalen Schwankungen
Mit Blick auf die Hauptsaison stehen Muster bei der Nachfrage und potenzielle Hürden besonders im Fokus. Externe Störungen verursachen die größten Bedenken – sowohl hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit als auch ihrer potenziellen Auswirkungen: 34 % der deutschen Hotelbetreiber (EU: 37 %) sind insbesondere besorgt, dass extreme Wetter- oder Naturereignisse das Reisen beeinträchtigen könnten. Ebenso viele (34 %, EU: 26 %) nennen IT-Ausfälle oder Störungen digitaler Systeme als zentrales Bedenken, während 29 % (EU: 32 %) lokale Störungen wie Streiks im Transportwesen oder Baustellen nennen, die den Zugang für Gäste oder den Betrieb ihrer Unterkünfte beeinträchtigen könnten. Interessanterweise zeigen sich europaweit Kettenhotels in beiden Bereichen geringfügig besorgter als unabhängige Unterkünfte, mit einem Unterschied von sieben beziehungsweise fünf Prozentpunkten.
Trotz dieser Sorgen ist der Ausbau oder die Anpassung der eigenen Anlage um wetterunabhängige Angebote die Strategie, die im Umgang mit Saisonalität sowohl in Deutschland als auch europaweit am wenigsten genutzt wird. Da jedoch gleichzeitig bereits 42 %* der deutschen Reisenden versuchen, wetterbedingte Störungen zu vermeiden, indem sie ihre Reisen außerhalb der traditionellen Urlaubssaison planen, richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf kommerzielle Maßnahmen.
Rabatte stechen dabei als ein häufig eingesetzter und wirksamer Hebel hervor: 53 % (EU: 72 %) der deutschen Unterkünfte geben an, während der Nebensaison Sonderpreise oder Pakete anzubieten – mit positiven Ergebnissen. Viele verfolgen häufig diversifizierte Distributionsstrategien: 3 von 4 (75 %) der deutschen Hoteliers (EU: 81 %) sehen Online-Plattformen als wirksamen Kanal zur Generierung von Nachfrage in der Nebensaison, während organische Reichweite über eigene Social-Media-Kanäle (32 %, EU: 54 %), bezahlte Suchanzeigen (19 %, EU: 50 %), E-Mail- und Newsletter-Kampagnen (16 %, EU: 41 %) und Anzeigen in traditionellen Medien (13 %, EU: 34 %) ebenfalls zu einem breiteren Maßnahmenmix beitragen.
Ein weiterer beliebter Weg, alternative Nachfrage zu erschließen, ist die Ausrichtung auf eventgetriebenen Tourismus: 64 % der deutschen Betriebe (EU: 50 %) geben an, in den vergangenen 12 Monaten von eventbedingtem Reiseaufkommen profitiert zu haben, wobei 21 % (EU: 14 %) den Effekt als erheblich beschreiben. Von denjenigen, die von eventgetriebenen Reisen profitiert haben, berichten 61 % (EU: 66 %) von verbesserten Umsätzen pro Zimmer als einen Vorteil, dicht gefolgt von der Möglichkeit, geringere Einnahmen zu anderen Zeiten des Jahres auszugleichen (57 %, EU: 60 %).
„Das Europäische Unterkunftsbarometer 2026 zeigt eine widerstandsfähige Branche, die sich in Echtzeit an ein sich wandelndes Umfeld anpasst – von zunehmenden Cyberrisiken bis hin zur Bewältigung klimabedingter Störungen und eventgetriebener Nachfrage", sagt Alexandra Wolframm, Head of Public Affairs Central & South-Eastern Europe. „Die Ergebnisse des Barometers verdeutlichen jedoch auch eine mögliche Fragmentierung, da sich je nach Unterkunftstyp und -größe unterschiedliche Erfahrungen und Herausforderungen abzeichnen. Vor diesem Hintergrund bleibt es unser Ziel, all unseren Unterkunftspartnern die Erkenntnisse, Tools und Partnerschaft zu bieten, die sie benötigen, um das ganze Jahr über erfolgreich zu sein und so das Wachstum der Branche insgesamt zu fördern.“
Über das Europäischen Unterkunftsbarometer 2026:
Die sechste Ausgabe des Europäischen Unterkunftsbarometers basiert auf einer Umfrage unter 1.240 Führungskräften und Managern des europäischen Beherbungssektor, darunter Hotels und alternative Unterkünfte aus jedem der folgenden Länder und Regionen: Österreich, Kroatien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Niederlande, Nordische Länder (Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland), Polen, Portugal, Spanien und Schweiz. Zusätzlich wurden 200 Befragte aus dem übrigen Europa einbezogen, die Rumänien, Belgien, Tschechien, Bulgarien, Slowenien und die Slowakei abdecken. Für den deutschen Bericht waren es 80 Befragte. Die Feldarbeit wurde zwischen dem 5. Februar und dem 24. März 2026 durchgeführt. Die Ergebnisse spiegeln die Stimmung zu diesem Zeitpunkt wider und berücksichtigen möglicherweise nicht vollständig neuere geopolitische Entwicklungen und damit verbundene Energieversorgungsthemen. Hinweis: Auswertungen auf Basis der Betriebsgröße liegen nur auf europäischer Ebene vor.
Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit und Reisen:
* Von Booking.com in Auftrag gegebene Befragung, unabhängig durchgeführt unter einer Stichprobe von 32.500 Befragten aus 35 Ländern und Territorien (1.000 aus den USA, 1.000 aus Kanada, 1.000 aus Mexiko, 1.000 aus Kolumbien, 1.000 aus Brasilien, 1.000 aus Argentinien, 1.000 aus Australien, 500 aus Neuseeland, 1.000 aus Indien, 1.000 aus China, 1.000 aus Hongkong, 1.000 aus Thailand, 1.000 aus Singapur, 1.000 aus Taiwan, 1.000 aus Vietnam, 1.000 aus Indonesien, 1.000 aus den Philippinen, 1.000 aus Südkorea, 1.000 aus Japan, 1.000 aus Spanien, 1.000 aus Italien, 1.000 aus Frankreich, 500 aus der Schweiz, 1.000 aus dem Vereinigten Königreich, 1.000 aus Irland, 1.000 aus Deutschland, 1.000 aus den Niederlanden, 1.000 aus Belgien, 1.000 aus Dänemark, 1.000 aus Schweden, 1.000 aus Kroatien, 500 aus Griechenland, 500 aus den VAE, 1.000 aus Südafrika und 500 aus Kenia). Um teilnehmen zu können, mussten Befragte 18 Jahre oder älter sein, in den letzten 12 Monaten mindestens einmal gereist sein, planen, 2026 zu reisen, und entweder die primäre Entscheidungsträgerin oder der -träger oder an der Entscheidungsfindung ihrer Reise beteiligt sein. Die Umfrage wurde online durchgeführt und fand im Januar 2026 statt.
Über Booking.com:
Mit Hauptsitz in Amsterdam ist Booking.com eine europäische Startup-Erfolgsgeschichte mit der Mission, es für alle einfacher zu machen, die Welt zu erleben. Durch Investitionen in Technologien, die Reibungsverluste beim Reisen verringern, verbindet der Marktplatz von Booking.com jeden Tag nahtlos Millionen von Reisenden mit Unterkünften jeder Größe, Flügen, Mietwagen, Flughafentaxis und unvergesslichen Erlebnissen vor Ort. Für weitere Informationen folgen Sie @bookingcom in den sozialen Medien oder besuchen Sie globalnews.booking.com.